Plätze. Dächer. Leute. Wege.

Musiktheater für ein utopisches Bielefeld.

Monat: August, 2014

von kampeblog

Das ist der Formplan der Softstudy.

Formplan

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Softstudy

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Hier eine Studie fürs Gemüt.

Hightech

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Irgendwo wird Hightech Verwendung finden.

Arie

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Eine zu schöne Studie.

Henk

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Henk Naujocks haben wir auf einer unserer Utopietanken kennengelernt, am Siggi. Er hat uns seine Geschichte(n) erzählt und war sofort Feuer und Flamme für das Projekt.

Henk Naujocks ist in Minden bei seiner Mutter (alleinerziehend) aufgewachsen. Sein Vater ist schon früh abgehauen, er hat nur wenige Erinnerungen an ihn. Sein Abi hat er knapp verfehlt und zwei mal eine Klasse wiederholt. Nach Schulabbruch ist er nach Bielefeld gegangen, um eine Ausbildung zu machen. Hier wohnt er bis heute. Mehrere Ausbildungen hat er angefangen, die letzte zum Industriemechaniker, auch die hat er abgebrochen.
Henks Alter ist unbestimmt, er sieht nach Anfang 40 aus, ist aber eher Anfang 30, wie er uns sagte. Er hat eine Schwester mit bürgerlichem Leben, zu der er sporadisch Kontakt hält, je nach Lebenssituation.

Er erzählte uns, dass er als Jugendlicher zu viele Drogen ausprobiert hat. Er hat sich entschieden, nichts mehr zu nehmen, er zieht das durch. Henk erzählte, dass er hin und wieder in seine eigene Welt abdriftet, er war deshalb auch beim Arzt. Er traut niemandem. Wenn er verwirrt, aufgeregt oder begeistert ist, bringt er beim Sprechen Wörter und Buchstaben durcheinander, ohne es zu merken. „Total spezial“ findet er unseren Entwurf vom Siegfriedplatz.

Henk ist auf der Suche. Er lässt sich immer wieder auf Neues ein, scheitert aber meistens. Im Moment bekommt er Harz 4, will aber raus und ist auf der Suche nach einem passenden Job und den richtigen Freunden. Die meisten Kumpels kennt er von der Straße. Hin und wieder hilft er in einem Sozialdienst, einem offenen Jugendcafé, und arbeitet dort, indem er mit den Jugendlichen Sprühkunst macht (ist Sprayer). Henk ist ein auffallend kreativer Typ, ein Geschichtenerzähler und Lebenskünstler. Er lässt sich auf nichts festlegen: „Die Leute wollen doch bloß, dass alles so funktioniert wie sie selber. Darauf habe ich keinen Bock.“ Sein Lieblingsort ist der Siggi, manchmal ist er auch am Kesselbrink. In der Stadt hat er uns Orte gezeigt, an denen er als Künstler gearbeitet hat: als Sprayer, aber auch als „Schweißer“ – er arbeitet gerne mit Dingen, die er findet und baut daraus Skulpturen. Die Bielefelder bemerken ihn und seine Arbeiten fast nie – er traut sich nicht, die Sachen auszustellen und wollte auch nicht, dass wir die Fotos zeigen.

Er hat uns zwei Erlebnisse erzählt, die ihn als utopischen Protagonisten prädestinieren:
„Geister sind mir begegnet in Minden, als Junge, in meinem Zimmer. Meine Mutter hat mir nicht geglaubt. Bis sie das auch gehört hat: Auf dem Boden, klack, klack, klack, wie Erbsen. Das war der alte Bauer, der hat seine Ruhe nicht gefunden. Nachts hat der mich angeguckt. Er ist in mein Zimmer gekommen und dann zu meiner Mutter. Ich hinterher, mit meinem Schmetterlingsmesser. Die dachte auch: was ist los, als sie mich mit meinem Messer gesehen hat.Auch unten im Keller war der Geist. Das war ich nicht – im Keller bin ich vorher nie gewesen: Da stand ein Hocker, und ein Strick hing von der Decke. Ich glaube, der Bauer wollte, das ich mich umbringe, damit ich mit ihm reden kann…“

„In Bielefeld habe ich schon Ufos gesehen. Am Kesselbrink. Da war ja früher ein Flugzeuglandeplatz fürs Militär. Ich lag mit meiner Freundin im Bett. Natürlich war da Licht, aber auch das Geräusch von Ketten – das Ufo flog mit vielen Ketten. Ich frag mich schon, was die hier wollten“.

Den Keller in Minden gibt es nicht mehr, auch Henks Mutter ist bereits verstorben. Den Namen seiner Exfreundin wollte Henk uns nicht sagen – wir hätten gerne mehr erfahren über die UFOS am Kesselbrink. Vielleicht gibt es weitere Augenzeugen? Bitte melden!!!

Er hat uns bei unseren Utopietanken besucht. Hier ein Bild von der Sparrenburg, wo er uns beim Aufbau half. Er möchte unerkannt bleiben, man sieht von ihm nur eine Hand.
henkbild

Familie Schreiber

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Dr. Eckard Schreiber und seine Familie leben seit 15 Jahren in Bielefeld, seit Schreibers Niederlassung hier als Orthopäde. Seine gut laufende Praxis hat er von einem alteingesessenen Bielefelder Orthopäden übernommen und sie in den vergangenen Jahren ständig erweitert. U.a. bietet Dr. Schreiber jetzt auch Osteopathie an, denn diese alternativen Heilmethoden dürfe man, so Dr. Schreiber „nicht diesen Scharlatenen überlassen“. Seine Frau Marie-Luise unterstützt ihn in der Praxis (Buchhaltung). Die beiden haben sich während seines Studiums in Hamburg kennengelernt – per Zufall bei einer Vernissage in einer Galerie eines befreundeten Künstlers. Das Ehepaar ist sehr kunstinteressiert. Beide erinnern sich oft an die spannenden Zeiten in Hamburg und die bedeutenden Ausstellungen und Künstler, die sie damals kennen gelernt haben. Vor allem Marie-Luise vermisst die Großstadt und Hamburgs künstlerisches Angebot und hat sich deshalb nur langsam an Bielefeld gewöhnt. Doch seitdem die Kinder größer sind, hat sie die Stadt für sich entdeckt und versteht nicht, warum die meisten Bielefelder sich für die Stadt schämen. Sie möchte etwas bewegen, die Bielefelder für ihre Stadt begeistern. Deshalb engagiert sie sich im Bielefelder Kunstverein. Sie hilft bei der Organisation der Ausstellungen und Vortragsreihen und kümmert sich um das Fundraising, nicht zuletzt über den Rotarier-Club, in dem ihr Mann Mitglied ist. Ihr ist es wichtig, internationale Künstler für Bielefeld zu interessieren.
Eckard Schreiber findet das ehrenamtliche Engagement seiner Frau gut, auch wenn er manche der Künstler und auch Marie-Luises Ideen nicht immer versteht. „Ist ja ganz schön, Marie-Luise. Ist natürlich eine Frage des Geldes. Aber macht mal!“ Bilder der ausgestellten Künstler hängen in seiner Praxis: „Ich bewundere diese Kunstfertigkeit!“ pflegt er zu seinen Patienten zu sagen, wenn diese ratlos auf die abstrakten Werke an den Praxiswänden schauen.
Auch ins Theater geht Ehepaar Schreiber gerne und häufig und verteidigen jedes Experiment, auch dann, wenn es ihnen nicht zu hundert Prozent gefällt: „Es ist wichtig, etwas Neues im Theater zu machen. Die alten Schinken will heute doch keiner mehr sehen. Wir sind doch hier nicht in der Provinz! Wir diskutieren das auch in unserem Freundeskreis – die meisten kennen sich nicht aus, haben zu wenig anderswo gesehen und wollen sich einfach unterhalten lassen. Wir finden das langweilig. Vor allem die jungen Leute sind so konservativ, das sehen wir an unseren eigenen Kindern… Wir waren ganz anders.“
Ihre Kinder, Sonja (18) und Tim (16) gehen ihre eigenen Wege. Sonja schlägt nach ihrem Vater, sie will Ärztin werden und macht ein FSJ in Bethel. Ihre Eltern wollten, dass sie ein Jahr nach Kanada geht. Dort angekommen, hat Sonja sich nicht wohl gefühlt und ist schon nach vier Wochen wieder zurückgekommen. An Bethel gefällt ihr, dass Menschen mit und ohne Behinderung zusammen leben und arbeiten – andere Städte und Arbeitgeber könnten von dem Konzept lernen, findet sie. Ihr ist soziales Engagement wichtiger als „der Kunstfimmel ihrer Mutter“, wie sie sich ausdrückt. Sie kann sich vorstellen, in Bielefeld zu studieren. Tim konzentriert sich auf sein Abi und seine Freundin Jacoba. Er weiß noch nicht, was er später einmal machen will. In Bielefeld zu bleiben, kann er sich jedoch nicht vorstellen.